Eigentlich sind Schulferien zum Erholen, Faulenzen und Abschalten da, denn auch Kinder brauchen Pausen. Einer aktuellen Umfrage zufolge lernen jedoch 59% der Kinder in den Ferien. Muss, soll oder darf das sein?

In den kurzen Ferien an Ostern oder Weihnachten sollte das Thema Schule aussen vor bleiben. In den langen Sommerferien ist jedoch genug Zeit da, auch einmal zu den Büchern zu greifen. Dies ist besonders sinnvoll für Schüler, die Mühe mit dem Lernstoff haben. Es zeigt sich, dass Kinder, die Freude an den Schulfächern haben dieses Wissen auch in ihrem Alltag anwenden. Sie lesen Comics, schreiben Tagebuch, zählen bei Kartenspielen die Punkte zusammen oder bemühen sich, in den Ferien ihre Fremdsprachkenntnisse anzuwenden. Kinder mit Schwächen gehen dem hingegen aus dem Weg. In den 5 – 6 Wochen Ferien gerät dann viel in Vergessenheit und die Schere öffnet sich immer weiter.

Wann ist das Lernen in den Ferien sinnvoll?

  • Wenn das Kind daran Freude hat (Lernen kann nämlich auch Spass machen!)
  • Wenn das Kind Nachholbedarf hat (eine Lücke bleibt eine Lücke und die lässt sich leichter schliessen in einer Zeit, in der kein neuer Stoff bewältigt werden muss)
  • Wenn auch ein Teil der Ferien komplett vom Lernen befreit ist
  • Wenn Kinder ein Mitspracherecht haben, wann gelernt wird. Treffen sie danach aber eine klare Abmachung (z.B. Direkt nach dem Frühstück lerne ich 15 Minuten französisch Wörter, jedes Mal vor dem Einschlafen lesen wir noch 15 Minuten)
  • Wenn die Lernzeit stark begrenzt wird.
  • Wenn Neues ausprobiert werden will (Ungünstige Strategien können durch neue ersetzt werden und in dieser Zeit eingeschliffen werden)
  • Wenn das Lernmaterial Erfolgserlebnisse ermöglicht («Ich kann das!»)
  • Wenn Kinder nicht unter Leistungsdruck leiden
  • Wenn die Eltern die Leistungsgrenzen ihrer Kinder akzeptieren
  • Wenn Ferienaktivitäten nicht zu kurz kommen

 

Wie soll gelernt werden?

  • In kleinen, regelmässigen Portionen lernen (für jüngere Kinder 10 – 15 Minuten täglich, jedoch auch bei älteren Schülern sollte eine Stunde pro Tag nicht überschritten werden)
  • Analysieren sie, was am meisten Fehler verursacht und fördern sie diese Kompetenz (z.B. Die Gross – Kleinschreibung verursacht viele Fehler, deshalb gezielte Übungen dazu auswählen, der 10- er Übergang bereitet Mühe, dann wird dieser geübt – Fragen sie auch die Lehrperson nach spezifischem Übungsmaterial)
  • Hat das Kind in mehreren Bereichen Mühe werden die Fächer abgewechselt. Am Montag, Mittwoch und Freitag lesen wir, am Dienstag und Donnerstag wenden wir uns der Mathe zu.
  • Klare Abmachungen treffen, das Kind weiss genau, wann seine Lernzeit ist
  • Interesse wecken – wann immer möglich das Wissen in den Ferienalltag einbauen (Ansichtskarten schreiben, Gesellschaftsspiele wie Yazzi, Uno oder shut the box spielen, Kuchen backen und die Verantwortung dem Kind übertragen, In einer fremden Stadt dem Kind die Strassenkarte geben und die Sehenswürdigkeiten finden lassen, das Kind darf ein Ferientag für die ganze Familie planen etc.)

Vermutlich werden diese Lerneinheiten nicht immer ganz freiwillig stattfinden und das Kind braucht ihre Unterstützung dazu. Vielleicht wird sich ihr Kind zwar nicht «freiwillig» dafür aber «einsichtig» an die Arbeit setzen. Gelingt dies, wird dieser extra Effort dafür sorgen, dass ihr Kind im Herbst stolz auf sich selbst sein kann, dass es sich in den Ferien nicht nur seinen Interessen, sondern auch dem Grammatikbuch gewidmet hat.

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